Freiwillige Rückkehr

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VI. Das Sozialversicherungssystem (The social security system)

A. Allgemeine Informationen (General information)

B. Arbeitslosenversicherung (Unemployment insurance)

C. Die Krankenversicherung (Health insurance)

D. Lebensversicherungen (Life insurance)

E. Altersversorgung (Pension schemes)

A. Allgemeine Informationen (General Information)

Trotz zahlreicher Rentenreformen, die in den vergangenen zwei Jahrzehnten in Gang gebracht wurden, sieht sich Indien immer noch zahlreichen sozialen, finanziellen und anlagepolitischen Herausforderungen gegenüber. Indien hat kein allgemeines Sozialversicherungssystem. Zwar existiert ein „schier unübersichtlicher Wust“ von Regelungen. Diese sind aber nicht nur von Bundesland zu Bundesland verschieden und greifen noch nicht einmal. Die berufstätige Bevölkerung besteht aus zwei Gruppen: gewerkschaftlich und nicht gewerkschaftlich organisierte. Nur etwa zehn Prozent der Erwerbstätigen in Indien sind gewerkschaftlich organisiert. Als solche sind sie in staatlichen Unterstützungskassen oder privaten Pensionsfonds versichert. Die übrigen 90 Prozent gehören nicht zum gewerkschaftlich organisierten Sektor und erhalten nur minimale Leistungen.

Despite the numerous pension reforms of the past twenty years, India continues to struggle with problems with its social, financial and investment policy. India does not operate a common social security system. There are a large number of very complex and practically incomprehensible regulations, which vary from state to state and rarely take effect at all. The working population is made up of two groups: unionized and non-unionized, of which only around 10% are unionized and are thus insured by the state or by private pension funds. The remaining 90% who do not belong to the unionized sector receive minimal benefits only.

B. Arbeitslosenversicherung (Unemployment insurance)

Die einzige Absicherung bei Arbeitslosigkeit ist eine Abfindung, die der Arbeitgeber zahlen muss und die etwa deutschen Verhältnissen entspricht. Das heißt pro Jahr der Firmenzugehörigkeit bekommt der Entlassene einen bestimmten Betrag ausbezahlt. Was er damit macht, bleibt ihm überlassen. Der Antrag ist beim Arbeitgeber zu stellen. Die gesetzliche Regelung gilt allerdings nur für Arbeiter und niedere Angestellte im organisierten Bereich. Im Management müssen individuelle Vereinbarungen getroffen werden.
The only protection granted to employees in case of unemployment is a settlement which must be paid the employer and which corresponds roughly to German unemployment settlements. For every year worked for the company, a certain sum of money is paid by the employer which can be used by the employee as he/she sees fit. Applications for such settlements must be made to the employer. Settlements of this kind generally only apply to workers and lower-status employees’ unionized organisations. Individual agreements are made with employees with managerial status.
Im nichtorganisierten Bereich haben die Mitarbeiter bei einer Kündigung keinen Versicherungsschutz. In Indien arbeiten ca. 93 % der Beschäftigten im nichtorganisierten Bereich ohne Arbeitsvertrag und soziale Absicherung. Es ist kein Wunder, dass in Indien die weltweit größte Gewerkschaft informeller Arbeiterinnen ihren Ursprung hat: SEWA – Self-Employed Women´s Association. Die SEWA verhandelt mit Arbeitgebern, um wenigstens den Mindestlohn durchzusetzen. Die Mitglieder können sich bei ihr für Krankheit, Unfall und Alter absichern.
Employees of the non-unionized sector have no insurance cover in case of dismissal from their job. In India, around 93% of the working population is employed in the non-unionized sector without an employment contract or social security. It comes as no surprise that India is home to the largest union of informal female workers in the world: SEWA, the Self Employed Women’s Association negotiates with employers to try and at least secure themselves a minimum wage. The Association also provides members with the option of insuring themselves against accidents and illness and in preparation for retirement.
Im Jahre 2005 erließ die indische Regierung die „National Rural Employment Guarantee Act“ (NREGA). Das Gesetz trat am 2. Februar 2006 in Kraft und wurde in mehreren Phasen umgesetzt. Das Gesetz zielt auf die Stärkung der Existenzsicherung der Haushalte in den ländlichen Gebieten des Landes. Pro Haushalt garantiert es einem Mitglied der Familie für 100 Tage pro Jahr, freiwillig ungelernte Arbeit zu verrichten. Die Arbeit wird mit dem jeweiligen regionalen Mindestlohn bezahlt. Falls der Staat den Bewerbern nicht innerhalb von 15 Tagen eine Arbeitsstelle zuweisen kann, haben die Bewerber einen Anspruch auf Zahlung von Arbeitslosengeld in Höhe des Mindestlohnes. Die Arbeitsplätze sollen aus dem Bereich der Landschaftspflege kommen. Dazu gehören u.a. Wasserschutz, Bewässerungs-anlagen, Deich- und Gartenbau.
In 2005, the Indian government passed the National Rural Employment Guarantee Act (NREGA), which came into force on 2nd February 2006 and has been implemented in several phases. The law aims to strengthen the livelihoods of households in rural areas of the country by guaranteeing one member of every family 100 days a year of paid unskilled work for which the worker receives the regional minimum wage. If the state cannot assign applicants a job within fifteen days, they are entitled to unemployment benefit to the sum of the respective minimum wage. Such jobs are intended to support rural conservation, for example water conservation, work on irrigation systems, dyke construction and landscaping.

C. Die Krankenversicherung (Health insurance)

Eine gesetzliche Krankenversicherung als Pflichtversicherung wie in Deutschland gibt es in Indien nicht. Es gibt zwar eine gesetzliche Krankenversicherung, jedoch keine Pflicht sich dort zu versichern. Die Leistungen der Krankenversicherungen sind jedoch sehr schlecht. Die staatlich organisierte Krankenversicherung beruht auf dem Gesetz „Employees State Insurance Act“ (ESI). Dabei handelt es sich um ein beitragsgebundenes System, dass sich aus Beiträgen der Arbeitgeber (5 % des Bruttolohns), der Arbeitnehmer ( 2,5 % des Bruttolohns) und einem staatlichen Zuschuss (12,5 % der anfallenden medizinischen Kosten finanziert. Diese staatliche Arbeitnehmerversicherung deckt die Risiken Krankheit, Mutterschaft, Arbeitsunfall, Hinterbliebenenrente und Bestattungskosten ab.

Statutory health insurance as compulsory insurance as we know it in Germany does not exist in India. State health insurance exists but nobody is obliged to insure themselves, and services rendered by the insurance companies are generally poor. State-organised insurance is based on the Employees State Insurance Act (ESI), a contribution system financed by the employer’s contribution (5% of gross earnings), the employee (2.5% of gross earnings) and a contribution from the state (12.5% of medical costs incurred). This insurance system for employees covers illness, maternity, occupational accidents, survivors’ pension and funeral expenses.

Das Problem ist, dass große Teile der Bevölkerung nicht die staatliche Krankenversicherung in Anspruch nehmen können. Ausgeschlossen von der staatlichen Krankenversicherung sind beispielsweise Saisonarbeiter, landwirtschaftliche Arbeiter, Arbeiter in speziellen Sektoren sowie Personen, die mehr als INR 6.500 (€ 157) pro Monat verdienen. Vor allem infolge konstanter Lohnerhöhungen fallen immer mehr Personen auf Grund der geringen Elastizität der Lohngrenze im ESI aus dem System. Problematisch dabei ist, dass Personen, die ein Einkommen oberhalb der festgesetzten Lohngrenze haben, aus der Versicherung fallen, obwohl sie vorher schon versichert waren. Eine weitere Schwachstelle ist, dass Arbeitslose nicht abgesichert sind.

The main problem is that large sections of the population are unable to make use of the statutory health insurance system. Those excluded from the system involve seasonal workers, agricultural workers, workers in certain specialist sectors and those earning in excess of INR 6,500 (€157) per month. Due to constant wage increases, more and more workers are being excluded from the system due to the low flexibility of wage limits as set out in the ESI. Those workers whose income increases to exceed the fixed wage limit become excluded from the insurance system although they were insured by it previously. The unemployed are also excluded from the ESI.

Die staatliche Krankenversicherung wird durch dass staatliche Gesundheitswesen ergänzt. Staatliche Krankenhäuser stehen Patienten aller Schichten offen. Sie versorgen finanziell weniger gut betuchte Patienten und Arme zum Teil unentgeltlich. Zahlreiche indische Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern eine Art Krankenversicherung (mediclaim) und Rentenversicherung (provident fund) an. Die Hilfsorganisation Care und die Allianz Versicherung bieten erstmals Lebens- und Krankenversicherungen in Indien an, die speziell auf die Bedürfnisse von armen Menschen mit einem Einkommen von weniger als 2 Euro am Tag zugeschnitten sind.

State health insurance is supplemented by the public healthcare system. State-run hospitals are open to patients from every part of society and in many cases, care for less well-off and poor patients free of charge. Several Indian companies offer their employees a kind of health insurance (known as “mediclaim“) and pension scheme (“provident fund”). The aid organisation Care and the insurance company Allianz have begun to offer the first life insurance and health insurance policies designed specifically for those with an income of less than € 2 a day.

CareIndia www.careindia.org
Allianz Bajaj General Insurance Co Ltd www.bajajallianzlife.co.in/
Icici Lombard Insurance Direct www.icicilombard.com/

Die Gemeinden haben sich an der Entwicklung von Versicherungsprodukten selbst beteiligt. Bei der Krankenversicherung auf Basis eines genossenschaftlichen Systems versichern sich ganze Dörfer gegen Krankheiten und wickeln die Versicherung selbst ab. Ein Vertrauensarzt behandelt die Dorfbewohner und überweist sie gegebenenfalls an die Partner Kranken- häuser der Region. Bajaj Allianz gewährt einen ergänzenden Versicherungsschutz mit Zuzahlungen bei Versicherungsansprüchen, die über bestimmte Höchstbeträge hinaus-gehen. Die Jahresprämie für eine vierköpfige Familie beläuft sich auf umgerechnet sieben Euro.

Communities were involved directly in the development of these insurance policies. Based on a cooperative system, whole villages can now take out health insurance policies to insure themselves against illness and take charge of the process themselves. A doctor appointed as part of the development process of the insurance policy treats the residents of the village and refers them to partner hospitals in the region where necessary. Bajaj Allianz warrants supplementary cover with additional payments for claims which surpass certain limits. The annual premium for a family of four amounts to €7.

D. Lebensversicherungen (Life insurance)

„Postal Life Insurance“ wurde 1884 gegründet Sie war zunächst nur für die Mitarbeiter der Telegrafen-Abteilung gedacht Aufgrund der großem Popularität der „Postal Life“ Versicherung ist sie auch allen Mitarbeitern der zentralen und staatlichen Verwaltungen, Verstaatlichten Banken, Unternehmen der öffentlichen Hand, Finanzinstitutionen, lokale Einrichtungen wie Gemeinden und Bildungseinrichtungen, die von der Regierung unterstützt werden, zugänglich:

Postal Life Insurance was established in 1884 and was initially intended for the employees of the telegraph department. Due to the success of Postal Life Insurance, its services were made available for employees of central and state administration departments, state banks, public sector companies, financial institutions, and local authorities such as state-supported community and educational institutions:

Website: http://www.indiapost.gov.in/netscape/pli.html

E. Altersversorgung (Pension schemes)

In Indien gibt es kein durchgängiges gesetzliches System der Altersversorgung. Die Altersversorgung beschränkt sich auf nationale Gesetze, die für einen bestimmten Personenkreis, d.h. für bestimmte Beschäftigungsgruppen ein relativ bescheidenes Versorgungssystem zur Verfügung stellen. Dieses System findet seine Begründung im 1995 in Kraft getretenen Gesetz über monatlich wiederkehrende Rentenzahlungen (Pension Scheme 1995).

There is no general state pension scheme in India. “Pensions” are essentially limited to national legislation which provides a relatively modest pension scheme for a certain category of workers. This system is based on a law passed in 1995 about monthly pension payments (Pension Scheme 1995).

Auch dieses Gesetz hat einen sehr eingeschränkten Geltungsbereich. Mitglied der Pensionskasse kann nur werden, dessen Arbeitgeber mindestens 20 Arbeitnehmer in ausgewählten Industriezweigen beschäftigt. Damit ist der gesamte unorganisierte Sektor der Arbeitswelt, aber auch Teile des organisierten Sektors, von diesem Gesetz nicht erfasst. Ganze Berufssektoren, wie z.B. die Landwirtschaft, sind somit ausgeklammert. Etwa 92,5 % aller Arbeitnehmer in Indien sind im unorganisierten Sektor beschäftigt. Sie haben keinerlei Versicherungsschutz, Sozialversicherung oder Rentenansprüche.

This legislation is however relatively limited in its applicability; only workers in companies with at least 20 employees in certain, predefined sectors can become members of the scheme. This means that the entire non-unionized sector and parts of the unionized sector are not provided for by the legislation; indeed, entire occupational sectors, such as agriculture, are excluded by it. Around 92.5% of all employees in India work in the non-unionized sector and have no insurance cover, social security or pension entitlements.

Im Haushaltsplan 2009/2010 hat die Regierung einen National Social Security Fund für unorganisierte Arbeiter der Weber, Palmsaftzapfer, Rikschafahrer und Arbeiter in der Tabakindustrie vorgesehen. Die Regierung, die 2009 wiedergewählt worden ist, hat ein Gesetz für Arbeit und sozialen Schutz für Arbeitskräfte im informellen Sektor versprochen, welches im Herbst 2009 auch erlassen wurde. Umgesetzt worden ist es aber noch nicht. Der Rentenfall setzt eine beitragspflichtige Zeit von 10 Jahren voraus und setzt in der Regel nach Erreichen des 60. Lebensjahres ein.

In the annual budget 2009/2010, the government planned a National Social Security Fund for non-unionized workers in the following industries: weavers, toddy tappers (palm sap processing), rickshaw drivers and tobacco industry workers.

The government, re-elected in 2009, promised to draw up legislation for work and social security for workers in the informal sector, and a law was indeed passed in autumn 2009. It is still to come into force, however. Workers are eligible for pension benefits only after having made contributions for at least 10 years and generally having reached the age of 60.

Zuverdienstmöglichkeiten hat der Pensionär nicht Im Falle der Erwerbsunfähigkeit kann der Arbeitnehmer auch vor Erreichen des gesetzlichen Rentenalters seine Rente geltend machen. Auch in diesem Fall muss die 10jährige Wartezeit mit Beitragszahlung erfüllt sein. Das Versicherungssystem schließt eine Witwen- und Waisenrente ein. Die Mindestrente für Witwen beträgt INR 450 (€ 7,40) im Monat. Die Höchstwitwenrente beträgt INR 2500 (€ 41,10) und wird gezahlt, wenn der Versicherte zum Zeitpunkt des Todes mindestens 33 Beitragsjahre aufzuweisen hat.

The retiree is not entitled to contribute more to his/her pension scheme. Should an employee become incapacitated before the legal retirement age, he/she is entitled to claim pension benefits, however he/she must already have been making contributions for 10 years. The insurance system includes widow’s and orphan’s benefits. Minimum widow’s benefits amount to INR. 450 (€7.40) per month, maximum benefits amount to INR 2500 (€ 41.10) and is paid to widows of insured workers who, at the time of death, had made contributions for at least 33 years.

Zusätzlich zur Witwenrente können Kinder eine eigene Hinterbliebenenrente in Höhe von 25 % der Witwenrente für jedes Kind beanspruchen. Die monatliche Mindestrente liegt bei INR 115 (€ 1,90) pro Kind, zu zahlen für maximal zwei Kinder. Die Waisenrente beträgt 75 % der Witwenrente, mindestens jedoch INR 170 (€ 2,80) im Monat. Der Streit über die Neuverteilung zwischen den Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträgen endete damit, dass 1998 die Beiträge für beide Seiten von 10 % auf 12 % angehoben wurden.

In addition to the widow’s benefits, children are also entitled to survivor’s benefits of 25 % of widow’s benefits per child. Minimum benefits amount to INR 115 (€ 1.90) per child and are paid to no more than two children. Orphan’s benefits come to 75 % of widow’s benefits and have a lower limit of INR 170 (€ 2.80) per month. Conflict over the redistribution of contributions between employer and employee was resolved in 1998 when contributions were increased for both sides from 10% to 12%.

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